Warum „Neuer Wohlstand“?

4 Aug

JBZ-Verlag, 2012. 256 Seiten.€ 19,80. Bestellung: h.holzinger@salzburg.at

Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten – so der Titel des Buchs des Nachhaltigkeitsforschers Hans Holzinger. Dieser Blog informiert über Aktivitäten rund ums Buch – Lesungen, Vorträge, Podiumsgespräche. Und er soll zur Diskussion der zentralen Thesen des Buchs anregen? In Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind konfrontiert mit permanenter Beschleunigung. Aktivität ist Trumpf. Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt. Doch: Welchen Wohlstand wollen wir? Welcher ist zukunftsverträglich? Wie muss ein nachhaltiges Wirtschaftssystem aussehen? Wie eine Politik, die entsprechende Rahmenbedingungen setzt?

Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten. JBZ-Verlag, 2012. 256 Seiten. € 19,80.
Bestellung: h.holzinger@salzburg.at

Der JBZ-Verlag ist Teil der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen www.jungk-bibliothek.at

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Von nichts zu viel

7 Jul

Cover_Holzinger_genug_fuer_alle_12x18_oekomVon nichts zu viel – für alle genug.
Perspektiven eines neuen Wohlstands.
232 Seiten, München: oekom 2016
ISBN 978-3-86581-794-5 [€ 18,95 / 19,60]
Aus dem Inhalt: Auf die Dosis kommt es  | Zur Ambivalenz unseres Konsumwohlstands | Die leichtfertige Rede von der Weltrettung | Die Postwachstumsperspektive |Die Dinge und wir | Lebensmittel sind Lebens-Mittel | Vom Zeithaben und Zeitnehmen | Wo sich gut leben lässt | Wir sind Gemeinschaftswesen | Vom Wissen und Können | Mitdenken und mitgestalten.
mehr | Bestellung | Inhaltsverzeichnis | Vorwort | Leseprobe

SOL-Regionalsymposium „Ich habe genug“

15 Apr

ichhabegenugIch habe genug! Frei von Konsumdruck – frei für den Wandel

Regionales SOL-Symposium 2015 | Salzburg

Sa. 30. Mai 2015
Ort: Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
Stadtwerk | Strubergasse 18 | 2. St. |5020 Salzburg | 10 – 13 Uhr Ankommen ab 9.30 Uhr | Eintritt nach Selbsteinschätzung

Flyer

Werbemilliarden fließen, damit du tust, was andere wollen. Die Alternative: Kaufe weniger – arbeite weniger -lebe mehr. Das macht denn Kopf frei: für den Wandel zu einer Gesellschaft, die allen Menschen und der Natur ihre Würde lässt.

SOL ist ein Netzwerk für einen solidarischen, ökologischen und lustvollen Lebensstil  und verbindet Menschen, die mit Fantasie und Kraft für einen nachhaltigen Wandel eintreten. Bei diesem Regional-Symposium erfährst Du mehr darüber.

Programm

10.00: Begrüßung und Vorstellrunde

10.15: Wer ist und was macht SOL? Einführung durch Anna Steger &  Walter Galehr

10.45: „Genug für alle. Für niemanden zu viel. Die doppelte Herausforderung der Nachhaltigkeit“, Impuls von Hans Holzinger, Robert-Jungk-Bibliothek, & Diskussion

11.30: Pause mit gemeinsamem Buffet und informellem Austausch

11.45: „Genug“-Werkstätte

In der GENUG-Werkstatt erarbeiten wir gemeinsam eine Sicht von Suffizienz und gesellschaftlichem Wandel, deren Ergebnisse in die Abschlussveranstaltung des SOL-Symposiums am Sa., 12.9., in Graz einfließen können. Es gibt 8 GENUG-Werkstätten an verschiedenen Orten Österreichs sowie in Regensburg (D).

13.00: Ende

Mit BÜCHER- und MATERIALIENTISCH

Nachmittagsangebote:

Konsumkritischer Spaziergang von AAI und Südwind Salzburg, Treffpunkt um 13 Uhr, Arge Kultur, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5

Besuch der Solartagung von InterSol, die zeitgleich in unserem Haus stattfindet.

Anmeldung: sol-salzburg@nachhaltig.at bzw. anna.steger166@gmail.com   Tel. 0662.873206, Hans Holzinger, JBZ

Mehr zu SOL:  www.nachhaltig.at | http://www.ichhabegenug.at | Mehr zur JBZ: jungk-bibliothek.org  | http://www.jungk-bibliothek.at

Veranstaltung im Rahmen der Aktionstage Nachhaltigkeit

Veranstaltung im Rahmen der Aktionstage Nachhaltigkeit

Wachstum – aber welches?

3 Mrz

Immer öfter müssen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen revidieren. Das Wachstumsdenken der Ökonomen gerät ins Wanken. Auch wenn der Ansatz einer Postwachstums-Ökonomie noch keineswegs den Mainstream der Wirtschaftswissenschaften erfasst hat, zeigt sie, dass ein Umdenken möglich ist. Bisher übliche Argumente für Wirtschaftswachstum sind in einem neuen Licht zu betrachten und kritisch zu hinterfragen, fordert Hans Holzinger, Nachhaltigkeitsexperte der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg und plädiert für eine Erweiterung der aktuellen Steuerreformdebatte in Österreich.

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Europas Wirtschaft lahmt, die Krisenländer kommen nicht in Schwung, die Arbeitslosigkeit nimmt teilweise dramatische Ausmaße an – nicht nur in Griechenland. Österreich steht vergleichsweise gut da. Doch auch hier steigt die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesregierung feilscht um eine Steuerreform, die Einkommen aus Arbeit entlasten, die Kaufkraft steigern und damit die Wirtschaft stimulieren soll. Doch welche Wirtschaftspolitik ist nachhaltig? Welches Wachstum sinnvoll und erstrebenswert? Und gilt die Wachstumsnotwendigkeit für alle Volkswirtschaften in gleicher Weise? Keine Frage: Länder mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen haben das Recht, aufzuholen und ihre Wirtschaften anzukurbeln. Doch wie verhält es sich bei hochproduktiven bzw. „reifen“ Volkswirtschaften? Das panische Schielen auf Wachstumsraten führt in die Irre. 1 oder 2 Prozent Wachstum in einem hochentwickelten Land entspricht dem Realzuwachs an Wirtschaftsleistung von 10 oder mehr Prozent in einem wenig entwickelten Land. Bezogen auf Europa: Die Krisenländer wie Griechenland oder Spanien sowie die osteuropäischen Staaten brauchen höhere Wachstumsraten, um den materiellen Wohlstand der Menschen zu steigern und deren soziale Absicherung zu erreichen. Doch in Ländern mit hoher Wirtschaftsleistung – und Österreich zählt hier dazu – macht es Sinn, sich auf niedrige Wachstumsraten oder gar Nullwachstum einzustellen. Analogien zwischen sozialen und ökologischen Systemen sind nur bedingt hilfreich: doch Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel.  Bei „reifen“ Volkswirtschaften ist dies ebenso, wie Ökonomen wie Adam Smith oder John Maynard Keynes früh erkannt haben. Das Ende des Wachstums ist demnach kein Ausdruck wirtschaftlicher Schwäche, sondern – im Gegenteil – Zeichen wirtschaftlicher Stärke. Ich werde dies an sechs gängigen Argumenten für Wirtschaftswachstum illustrieren und den Weg in eine Postwachstumsperspektive skizzieren.

Argument 1: Wohlstandssteigerung

Dass Wirtschaftswachstum zur Wohlstandssteigerung beiträgt, hat für viele Jahrzehnte gegolten. Doch Ergebnisse der Zufriedenheitsforschung sowie der Ökologischen Ökonomie zeigen, dass seit den 1970er-Jahren BIP-Wachstum und Lebensqualität auseinanderklaffen. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen führen soziale und ökologische Defensivkosten zwar zu weiteren Steigerungen des BIP – Verkehrsunfälle ›stützen‹ die Autobranche, stressbedingte Krankheitskosten erfordern mehr medizinische Behandlungen und Umweltkatastrophen kurbeln die Wirtschaft durch Wiederaufbaumaßnahmen (bzw. vorbeugend durch Schutzmaßnahmen) an. Doch all dies trägt unweigerlich nicht zu mehr Lebensqualität bei. Zum zweiten scheinen sich materieller Besitz und Zufriedenheit ab einem bestimmten Wohlstandsniveau zu entkoppeln. Mehr Güter führen dann nicht mehr zu mehr Zufriedenheit. Der Wachstumstreiber Konsum geht somit verloren.

Argument 2: Schaffung von Arbeitsplätzen

Häufig wird die Schaffung von Arbeitsplätzen für Wirtschaftswachstum ins Treffen geführt. Doch Wirtschaftswachstum schafft nur mehr bedingt neue Arbeitsplätze, da die Automatisierung zu beträchtlichen Arbeitseinsparungen führt. Arbeitsplätze entstehen vornehmlich, wenn Teile der im High-Tech-Sektor erwirtschafteten Gewinne in den Dienstleistungssektor überführt werden und dort neue Arbeit ermöglichen. Entscheidend ist also die Produktivität. Als wichtigste Zukunftsoption gilt freilich die Verkürzung der Arbeitszeiten, die durch innovative, neue Arbeitszeitmodelle umgesetzt werden kann. Das Ziel von Wirtschaften ist ja nicht, dass wir möglichst viel Arbeit haben, sondern dass wir uns das für ein gutes Leben Notwendige erzeugen können. Arbeitszeitverkürzung gibt es freilich nicht zu Nulltarif, doch Arbeitslosigkeit ist langfristig noch teurer. Die steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit macht freilich Sinn, da in Dienstleistungsgesellschaften die Rationalisierungspotenziale schwinden. Kinderbetreuung oder Pflege von Hochbetagten lässt sich (zum Glück) nicht automatisieren. „High Tech“ finanziert – wie gesagt – „High Touch“.

Argument 3: Sicherung der Sozialleistungen

Die Etablierung der staatlichen Sozialleistungen war möglich durch das Wirtschaftswachstum der Aufbaujahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Finanzierung in der Zukunft erfordert aber die Neujustierung der Steuersysteme dahingehend, dass Ressourcen, Luxusgüter sowie Vermögen stärker besteuert werden, was neben ökologischen auch soziale Lenkungseffekte hat. Die Vermögenskonzentration bei wenigen ist unproduktiv, daher volkswirtschaftlich schädlich, sofern es nicht in die Realwirtschaft investiert wird. Auch die Konsummöglichkeiten der Reichen sind begrenzt. Zudem muss eine an Lebensqualität orientierte Sozialpolitik den Schwerpunkt auf Prävention legen: Chancengleichheit und Fairness am Arbeitsmarkt durch mehr Bildung und kürzere Arbeitszeiten für alle sind besser als hohe Arbeitslosenkosten; Anstrengungen für eine gesunde Lebensführung sinnvoller als teure medizinische Behandlungen. Das Optimum wäre ja, möglichst spät, aber möglichst gesund zu sterben.

Argument 4: Finanzierung von Umweltschutz

Das Argument, dass Umweltschutz nur leistbar ist bei Wirtschaftswachstum, mag in der Anfangsphase der Industrialisierung gegolten haben. Sauberere Produktionsanlagen und effizientere Technologien waren das Ziel des klassischen Umweltschutzes – der Katalysator im Auto sowie der Filter im Schornstein des Industriebetriebs oder in der Kläranlage des Müllentsorgers galten als Synonyme für diesen Prozess. Die zentrale Herausforderung an nachhaltiges Wirtschaften heute liegt zumindest in den Wohlstandsländern jedoch, in der drastischen Reduzierung des Stoff- und Energieverbrauchs, nicht in noch besseren Schornsteinfiltern. Dieser Wandel hin zur Ressourcensparökonomie erfordert und ermöglicht die Postwachstumsperspektive. Wachstum ist nicht grundsätzlich schlecht, problematisch ist die Kopplung an hohen Ressourcenverbrauch, was bisher der Fall ist. In diesem Sinne konsumieren wir nicht nur zu viel, sondern produzieren auch zu viel.

Argument 5: Expansionszwang

Am schwersten zu entkräften ist das innerökonomische Argument des Wachstumsdrangs im kapitalistischen Wirtschaften, in dem hohe Renditen das primäre Ziel und das Konkurrieren um Größenvorteile das bestimmende Prinzip darstellen.  Als Ursachen gelten die hohe Fremdkapitalfinanzierung von Unternehmen, die für ihre Aktionäre hohe Renditen erwirtschaften müssen sowie – was noch gewichtiger ist – das Prinzip des Fressens und Gefressen-Werdens in kapitalistischen Ökonomien. Wer nicht expandiert, läuft Gefahr, von anderen, eben größeren Unternehmen aufgekauft zu werden. Eine geringe Eigenkapitalquote macht Unternehmen instabil. Die Klein- und Mittelbetriebe, die den Großteil der Arbeitsplätze stellen, sind überdies gegenüber Großkonzernen doppelt im Nachteil: sie verfügen in der Regel über bedeutend geringere Werbeetats und haben nicht die Möglichkeit „steuerschonender“ Bilanzierung. Die Verringerung der Fremdfinanzierung, neue Finanzierungsformen wie Crowdfunding, Unternehmen nach Stiftungs- oder Genossenschaftsrecht sowie eine auf das Gemeinwohl orientierte Wirtschaftspolitik, die regionale Wirtschaftskreise stärkt, können als Zukunftswege genannt werden. EU-Die Bestrebungen, das Billigstbieter- durch das Bestbieterprinzip zu ersetzen, weisen hier in die richtige Richtung.

Argument 6: Deflationsgefahr

Manche führen auch das Zinssystem als Ursache für den Wachstumszwang an. Über Kredite finanzierte Unternehmen sind angehalten, nicht nur Erträge für die Finanzierung der Betriebsausgaben – Löhne der MitarbeiterInnen, Investitionskosten – zu erwirtschaften, sondern auch den Zinsesdienst. Da zwischen Produktion und Verkauf immer eine gewisse Zeitspanne liegt, müssen Produkte über Kredite sozusagen vorfinanziert werden. Und da der Absatz der produzierten Güter immer mit einem gewissen Risiko behaftet ist, würden Unternehmen zu produzieren aufhören, wenn sich Investieren nicht mehr lohnt, so befürchtet der Ökonom Hans Christoph Binswanger. Die Volkswirtschaft würde bei sinkenden Profitraten nicht nur stagnieren, sondern sogar schrumpfen (Angst vor Deflation). Binswanger spricht daher von einer ›Wachstumsspirale‹, auch wenn er davon ausgeht, dass etwa 1-2 Prozent Wachstum der Weltwirtschaft reichen würden, um der Gefahr der Deflation zu entgehen. Im Klartext hieße dies: Investiert wird in Zukunft dort, wo tatsächlich noch Bedarf besteht – nach Gütern der Grundversorgung. Da gibt es ohnehin noch viel zu tun. Franz Josef Radermacher fordert in diesem Sinne seit vielen Jahren einen Global Marshall Plan, über den jährlich 100 Mrd. Dollar zusätzlich für Entwicklungszusammenarbeit lukriert werden sollen. Dass freilich niedrige Zinsen allein die Investitionen anregen, stimmt so nicht mehr, wie die aktuelle Niedrigzinspolitik zeigt. Bei mangelnder Nachfrage bzw. Marktsättigung wird auch trotz billigen Geldes nicht investiert. Und die Weltwirtschaft kann zwar wachsen, sie ist insgesamt jedoch ein Nullsummenspiel: Es können nicht alle Staaten mehr exportieren, um damit die eigene Wirtschaftsleistung zu steigern. Importe und Exporte halten sich global gesehen immer die Waage – was auch die „Erfolge“ des Exportweltmeisters Deutschland relativiert.

Ausblick I: New Deal für Europa

Der Übergang in die Postwachstumsökonomie geht nicht ohne Friktionen ab. Es macht aber Sinn, diesen proaktiv zu gestalten anstatt dem alten Wachstumsdogma hinterher zu rennen. Der renommierte Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister fordert einen „New Deal“ für Europa, also ein Wachstumsprogramm. Doch er sieht dies sehr differenziert. Neben einer – mittlerweile umgesetzten – Niedrigzinspolitik (Zins unter realer Wachstumsrate), der Förderung der Realwirtschaft bei gleichzeitiger Zurückdrängung der spekulativen Finanzgeschäfte sowie grünen Investitionen in den Umwelt- und Klimaschutz schlägt Schulmeister eine europäische Geld- und Sozialpolitik vor, die wirtschaftsschwächere Staaten aus der Abhängigkeit der Finanzmärkte herauslöst und – man hört richtig – eine EU-weite Mindestsicherung garantiert. In reichen Ländern plädiert der Ökonom für flexible, neue Arbeitszeitmodelle, die den Arbeitsmarkt entlasten und die Lebensqualität der Menschen steigern, sowie für die Ausweitung öffentlicher Leistungen wie Bildung oder Gesundheitsvorsorge. Die Vermögenden sollen – wie im New Deal der 1930-Jahre durch US-Präsident Roosevelt – bedeutend stärker zur Finanzierung der Umwelt- und Sozialprogramme beteiligt werden.

Dass hoch entwickelte Volkswirtschaften in ihrem Reifestadium zu wachsen aufhören würden, prognostizierte John Maynard Keynes, bekannt als Begründer der Theorie staatlicher Konjunktur- und Wachstums­program­me, bereits in den 1930-Jahren. In seinem Essay „Die ökonomischen Möglichkeiten unserer Enkelkinder“ vertrat er die Auffassung, dass die Produktivitätssteigerungen irgendwann die Konsumptionskapazitäten übersteigen würden, was jedoch die Option zunehmender Verkürzung der Arbeitszeiten eröffne. Nach der Devise: Mehr Zeit zum Leben statt noch mehr Konsum. Dem gilt es sich zu stellen. Und darauf können wir uns ja durchaus freuen!

Ausblick II: Umfassende Steuerreform

Das Ringen um eine Steuerreform in Österreich hat daher seine Berechtigung hinsichtlich Entlastung des Faktors Arbeit bei den mittleren und unteren Einkommen; sie greift aber viel zu kurz. Ausgeblendet bleiben die Ökologisierung des Steuersystems sowie das Andenken möglicher Postwachstumsszenarien. Die Heranziehung der Vermögenden – wie immer diese im Detail aussehen mag – zur Finanzierung der öffentlichen Aufgaben wird viel zu ideologisch und von Lobbyinteressen dominiert geführt; notwendig wäre ein pragmatischer Zugang etwa mit Verweis auf den New Deal der 1930er-Jahren in den USA. Und der Aspekt der Neuverteilung des vorhandenen bzw. verbleibenden Erwerbsarbeitsvolumens – Arbeit gibt es ja auch jenseits der Erwerbsarbeit – bleibt zumindest bislang völlig außen vor. Politik fährt am besten mit konkreten, pragmatischen Schritten und sie braucht immer Kompromisse. Doch faule Kompromisse bringen nicht weiter. Wahrscheinlich hätte ein umfassenderer Zugang mehr Chancen auf Umsetzung als das gegenwärtige Hick-Hack der Regierungsparteien. Die Bürger und Bürgerinnen würde man bei entsprechender Vermittlung dabei sicher gewinnen können. Und wohl auch die Vermögenderen, wenn die Argumente plausibel dargelegt werden.

Zum Verfasser: Mag. Hans Holzinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, 2010 – 2014 Lektor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Moderator von Zukunftswerkstätten und anderen Partizipationsprozessen, Mitherausgeber der Zeitschrift Pro Zukunft. 2012 erschien sein Buch „Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten“ mit einem Kapitel über „Wohlstand oder Wachstum“. Ebenfalls 2012 erschien seine Studie „Wirtschaften jenseits von Wachstum. Befunde und Ausblicke“ (Download: www.wachstumimwandel.at). Email: h.holzinger@salzburg.at

Tel. 0662.873206 oder 0699.11370178

Literaturverweis: Stephan Schulmeister: Mitten in der großen Krise. Ein New Deal für Europa (Picus-Verlag).

 

Wege aus der Arbeitslosigkeit

7 Jan

Ende 2014 hat die Arbeitslosenquote in Österreich mit 10,2 Prozent einen Höchststand erreicht. Doch zugleich gab es mit knapp 3,5 Millionen noch nie so viele Beschäftigte. Arbeitslosigkeit ist ernst zu nehmen. Die Wahl der Strategien soll jedoch differenziert erfolgen. Neben Beschäftigungsimpulsen in gesellschaftlich sinnvollen Bereichen wie Ökologie oder Soziales geht es auch um eine Neuverteilung der vorhandenen Arbeit durch Überstundenabbau, flexible Modelle der Arbeitszeitverkürzung und faire Verteilung der Produktivitätsfortschritte. Wirtschaftsankurbelung ohne Zielvorgaben macht keinen Sinn. Zudem ist die Politik in einem Dilemma. Sie soll keine weiteren Schulden machen, keine neuen Steuern einführen und – wenn die Wirtschaft lahmt – diese mit Investitionen beleben. Die sprichwörtliche Quadratur des Kreises. mehr

Lebensqualität statt Konsumstress?

23 Dez

Immer öfter müssen Wirtschaftsforschunsinstitute ihre Wachstumsprognosen nach unten revidieren. Seit einiger Zeit geht das Gespenst vom Nullwachstum um. Nicht panisch nach neuen Wachstumsimpulsen zu suchen, sondern schrumpfende Wachstumsaussichten als neuen Normalzustand zu begreifen und anzunehmen, fordert der Nachhaltigkeitsexperte Hans Holzinger. Und beruft sich dabei auf keinen Geringeren als John Maynard Keynes. Download

 

Furche-Interview

30 Apr

„Wir häufen immer mehr Güter an, werden aber nicht zufriedener“, so Hans Holzinger Im FURCHE-Interview mit Elisabeth Gamperl vom 24. April 2014.

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Zukunftswerkstätten-Ausbildung erfolgreich gestartet

8 Okt

JBZ-Zukunftswerkstätten

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Mit 21 Teilnehmenden aus unterschiedlichen Berufsbereichen startete am 4./5.Oktober die Zukunftswerkstätten-Ausbildung in der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (JBZ), geleitet von Hans Holzinger von der JBZ. Mehr dazu dann nach Abschluss von Teil 2 des Kurses am 18. / 19. Oktober 2013.

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